Der Wissenschaftsrat hat seine Perspektiven bis 2040 veröffentlicht. Das Positionspapier fasst bekannte und unstrittige Forderungen zusammen: Bildung sei ebenso wichtig wie Forschung und Innovation. Es sei wichtig, exzellent zu sein, in die Gesellschaft zu wirken und Diversität zu fördern. Die Handlungsempfehlungen beschränken sich weitgehend auf abstrakte Aussagen, wie dass Vertrauen gestärkt und Hemmnisse minimiert werden sollen. Kaum jemand wird sich also an dem Positionspapier stören.

Wegen der abstrakten Ausgestaltung gibt es jedoch auch keine wissenschaftspolitische Richtung vor. Vielmehr werden bekannte Schlagworte aneinandergereiht und Widersprüchen zwischen Zielen wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt, sodass die notwendige Abwägung und Prioritätensetzung unterentwickelt bleibt.

Dabei stehen schwierige Entscheidungen an. Deutlich wird das zum Beispiel an den Kürzungen, die auch Berlin betreffen: Die Wissenschaft hat weniger Geld zur Verfügung und muss daher sparen. Alle lassen dabei gleichermaßen Federn.

Dabei müssten gerade jetzt wissenschaftspolitische Ziele abgewogen werden: Sollen tatsächlich Studienplätze abgebaut werden, weil in Fächern, die stark nachgefragt sind, ebenso gespart werden soll wie in wenig nachgefragten Fächern? Oder wäre es zur Fachkräftesicherung nicht sinnvoller, dort zu sparen, wo bisher Lehrveranstaltungen unterbesetzt sind?

Anstatt Ziele abzuwägen und Ressourcen entweder in den einen oder anderen Bereich zu investieren, gehen fast alle den Weg des geringsten Widerstands und historisch gewachsene Ungleichheiten bleiben bestehen. Der Wissenschaftsrat hätte eine kraftvolle Stimme gehabt, bei diesen schmerzhaften Entscheidungen zu Kürzungen und Investitionen beratend zu unterstützen. Leider hat er sie mit diesem Papier nicht genutzt.


Dieser Artikel wurde zuerst im Tagesspiegel veröffentlicht. Er ist Teil der Kolumne “Vom Campus”, in der ich alle 4 Wochen einen Text veröffentliche.